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Klippen von Tifnite

Die übrigen Fliegen haben uns in der Nacht überhaupt nicht gestört, dafür aber der Nachbarshund, der die ganze Nacht gebellt und gewinselt hat. Der Hund ist nur an einen Pflock gebunden mit einem sehr kurzen Seil, da würde es mir auch nicht gut gehen… Wir frühstücken, entsorgen unseren angesammelten Abfall fachgerecht und düsen los Richtung Agadir.

 

Die Stadt soll gemäss Reiseführer keine besonderen Sehenswürdigkeiten vorweisen, jedoch von Touristen regelrecht überrannt werden, also bestimmt nicht das, wonach wir suchen. Um einige Erledigungen zu machen, kommt die Stadt uns aber gerade gelegen. Bei einem Kia-Händler (bei zwei Hyundai-Händler haben sie das Teil nicht gefunden) kaufen wir noch den Ersatz-Keilriemen, den wir hoffentlich gar nicht brauchen werden, aber für den Notfall dabei haben möchten. Für die Fahrt durch die Westsahara möchten wir noch unsere Vorräte aufstocken und suchen deshalb einen Supermarkt. Wir finden einen riesigen Tempel in dem man alles kaufen kann, was das Herz begehrt, ausser Alkohol. Danach fahren wir noch zu einem Copy-shop, um unsere fiches zu erstellen. Gemäss Reiseberichten anderer Leute können Reisende viel Zeit einsparen, wenn sie bei Polizeikontrollen in der Westsahara und Mauretanien Pass- und Fahrzeugausweis-Kopien abgeben können, anstatt die Beamten die Daten abschreiben zu lassen. Sicherheitshalber kopieren wir unsere Papiere 20x, und hoffen, dass das für eine Weile reichen wird. Im iOverlander habe ich einen Wildcamping nach unserem Geschmack entdeckt und wir navigieren nun dahin.

 

Als wir den Platz am Meer erreichen, hält uns ein Soldat an und teilt uns mit, dass wir nicht weiterfahren dürfen, da das Militär noch etwa zwei Stunden Schiessübungen abhält. Wir sichern ab, ob wir 20 Meter weiter vorne über Nacht stehen dürften, er meint, dies sei kein Problem. Schnell richten wir uns also wenige Meter neben dem Kontrollposten ein und hoffen, dass die Übung des Militärs bald vorbei ist. Der Militär-Mann wird nach einiger Zeit von einem anderen Typen abgelöst, der nun Wache halten muss. Dieser Wache-Job ist bestimmt sehr langweilig, weil hier nicht viele Leute vorbei kommen, so kommt der junge Mohammed zu uns in den Schatten.

 

Er ist sehr nett und möchte sich mit uns unterhalten. Leider ist sein Französisch und sein Englisch sehr schlecht und Arabisch haben wir noch immer nicht gelernt. Wir verständigen uns mehr schlecht als recht, doch er denkt überhaupt nicht daran, wegzugehen. Als Lino Wasser trinkt möchte er auch einen Schluck, na klar, ist ja auch heiss hier. Als wir Oliven essen steht er immer noch da, also darf er natürlich auch mitessen. Er geht danach weg und wir möchten bereits unsere Tolinos wieder hervornehmen, als er wieder kommt und uns eine Cola auf den Tisch stellt, so nett. Von da an steht er eigentlich immer neben uns und schaut uns an. Wir versuchen, Smalltalk zu führen aber die Sprachbarriere ist echt ziemlich gross. Später zeigt er uns, wie wir am besten über den Abhang zum Strand runter kommen. Da unten, direkt am Strand, hat es „Häuser“, wo Menschen dauerhaft wohnen. Ein Fischer erklärt uns, welcher Weg besser geeignet ist, wieder auf die Klippe zu kommen. Als wir oben ankommen sehen wir schon von weitem, dass Mohammed einen unserer Stühle zu sich genommen hat und jetzt an seinem Posten darauf chillt. Als wir ihn erreichen lächelt er uns nur unschuldig an. Ich nehme den Stuhl und wir laufen Richtung Afrex, natürlich kommt Mohammed mit uns mit, was sollte er auch sonst tun. Als wir ihm eine (selbstgepflückte) Clementine anbieten revanchiert er sich mit einer Dose Thunfisch. So läuft das hier, wie du mir, so ich dir :) Irgendwann beginnen wir doch wieder zu lesen, er steht hinter Lino und liest einfach ein paar Wörter auf Deutsch vor, ihm ist wohl wirklich langweilig.

 

Als es kälter wird verziehen wir uns in den Bus, und Mohammed geht wieder auf seinen Posten. Er ist ja ein lieber Kerl, aber wenn er einem immer über die Schulter schaut, kann man sich nicht so richtig entspannen. Abends sehen wir dann, wie Mohammed von zwei anderen abgelöst wird. Diese kommen dann zum Bus und möchten Feuer für ihre Zigis, was sie natürlich auch bekommen, sie verschwinden schnell wieder und wir geniessen den Abend im Afrex.

 

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