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Stress mit Roger

Die Nacht war ruhig und angenehm, doch der Morgen wird dafür sehr mühsam. Auf der Fahrt hier nach Kribi haben wir ein Geräusch am Auto festgestellt, vermutlich ist das Traggelenk defekt. Als erstes wollen wir nun also einen Shop finden, wo wir die nötigen Ersatzteile kaufen können. Roger schleicht bereits um unser Auto und wischt Blätter zusammen. Wir verabschieden uns von ihm und wollen schon losfahren, als er nach Geld fragt. Er nennt keinen Betrag, sagt aber dass er ja hier die Nacht für uns verbracht habe, und wir ihm nun etwas geben sollten. Die 1‘000 CFA, die ich ihm hinhalte verschmäht er und meint, es koste 10‘000 CFA. Wir können uns einen kurzen Lacher nicht verkneifen, so viel bezahlen wir nicht einmal auf einem schönen Campingplatz. Hier hat es überhaupt nichts, weder Toiletten, Duschen noch fliessend Wasser. Wir sagen ihm, dass 1‘000 CFA ein fairer Preis sei, er es entweder nehmen oder lassen soll. Leider gibt er sich nicht damit zufrieden und erklärt mehrmals, dass er seine ganze Familie mit acht Kindern zu Hause gelassen hat, um hier bei uns zu sein. Auf unsere Erklärungen, dass er freiwillig mitgekommen sei, gestern überhaupt nichts gesagt hat, dass es überhaupt etwas koste und es hier wirklich überhaupt keine Infrastruktur habe, geht er überhaupt nicht ein. Wir drehen uns im Kreis, denn wir sind wirklich nicht bereit, mehr für diesen Platz zu bezahlen, den wir von unserem Mitfahrer vermittelt bekommen haben. Irgendwo lag da ein grobes Missverständnis vor, das wir nicht bereit sind, auszubaden. Es kommt so weit, dass sich Roger unters rechte Vorderrad von Afrex legt. Er ruft mir zu, wir sollen losfahren und ihn verletzen, sodass er die Polizei rufen kann und wir ganz viel bezahlen müssen. Langsam wird uns die Sache echt zu bunt, der Typ ist nicht ganz dicht. Natürlich fahren wir nicht los sondern steigen wieder aus dem Auto aus. Ein älterer Herr kommt vorbei und wir erklären ihm die Situation. Er möchte sich jedoch nicht einmischen und meint, wir sollen uns selbst einigen. Um die Sache etwas zu beruhigen sagen wir, dass wir eine Runde spazieren und danach weiterdiskutieren können. Wir überlegen, was wir machen können – doch viele Möglichkeiten sehen wir nicht. Immerhin stehen wir hier auf seinem Privatgelände, unser Mitfahrer von gestern hat Roger wahrscheinlich erzählt, dass wir ihm den Betrag bezahlen und einfach wegfahren wollen wir auch nicht, keine Ahnung was ihm dann wieder einfällt. Als wir zurück bei Afrex sind, ist Roger nicht zu sehen. Wir setzen uns in Auto und warten, bis er auftaucht. Kurz darauf läuft Roger’s Frau zu uns, anscheinend hat er sie zu Hause angerufen und sie ist hergekommen um zu schlichten. Mit ihr können wir uns besser unterhalten und sie versteht auch, dass 10‘000 CFA nicht realistisch sind. Sie meint, wir können ihr geben, was wir wollen. Wir verdoppeln, und geben ihr 2‘000 CFA – woraufhin sie meint, sie wolle schon mindestens 3‘000 CFA. Unmöglich, diese Leute, wir erklären, dass dieser Platz diesen Preis wirklich nicht verdient habe und es für den Tourismus auch nicht besonders förderlich sei, so zu handeln. Sie lassen sich aber beide nicht wirklich davon beeindrucken. Roger ist sowieso schon beleidigt, dass seine Frau sich mit weniger zufrieden gibt und wir sind einfach nur froh, von hier wegzukommen.


Bei der Mechanikerstrasse versuchen wir unser Glück bei einem einigermassen seriösen Laden und fragen nach den Ersatzteilen. Siehe einer an, ein kurzer Blick auf das Foto vom gewünschten Ersatzteil und fünf Minuten steht er mit dem entsprechenden Teil am Tresen. Zum Glück ist Afrex’s Fahrwerk baugleich mit dem Mitsubishi Pickup. Diese sieht man hier relativ oft. Trotzdem haben wir damit wirklich nicht gerechnet, unsere Stimmung bessert sich schlagartig. Auch der Preis, den wir bezahlen müssen ist sehr fair, und zufälligerweise steht gleich noch ein Mechaniker (eigentlich sind fast alle Männer Mechaniker oder Guide) im Geschäft. Wir folgen diesem Mech mit Afrex zu seiner „Garage“. Wahrscheinlich ist es sein zu Hause, wo er draussen im Sand an Autos schraubt. Als Lino und er das Rad abmontiert entdeckt Lino, dass nicht das Radgelenk sondern der Gummi des Stossdämpfers defekt ist. So einen neuen Gummi haben wir aber natürlich nicht dabei und er nicht in seiner „Werkstatt“. Kurzerhand macht sich Lino mit den zwei Mechanikern erneut auf in die Stadt, um so einen Gummi zu kaufen. Ich leiste währenddessen Afrex Gesellschaft. Meine Stunde ist nicht so actionreich wie die von Lino. Das Auto mit dem sie in die Stadt gefahren sind, hat nämlich nach einigen Kilometern kein Benzin mehr, sodass einer der Mechaniker mit einem Mototaxi und einem Kanister zur nächsten Tankstelle fährt, um Nachschub zu besorgen. Trotz dieser Zwischenaktion kommen die Jungs ziemlich bald mit einem speziell angefertigten Gummi zurück. Die Montage geht dann auch ziemlich zügig und Afrex ist wieder fahrtauglich. Nun möchten wir noch den schönen Teil von Kribi sehen. Wir haben nämlich von diversen Seiten gehört, wie schön es hier sein soll. Beim Ilomba Hotel, welches von einem Schweizer, David, geführt wird dürfen wir campen.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    halli (Montag, 17 Februar 2020 21:28)

    spannend