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Letzter Tag in Afrika

Der Tag der Wahrheit ist gekommen: heute MUSS es einfach klappen. Früh morgens fahren wir zu Willy ins Büro. Wir haben auf sieben Uhr abgemacht. Natürlich ist er dann noch nicht da, und als wir ihn anrufen meint er, er verspäte sich um ca. 30 Minuten. Nach längerem Warten ruft er nochmals an und sagt, wir sollen bereits mit seinem Mitarbeite, Zac, zu Safmarine fahren, um das Siegel für den Container abzuholen. Bei Safmarine müssen wir lange anstehen, erhalten dann aber schlussendlich unser Siegel. Nun rufen wir unseren Lastwagenchauffeur, Eurico, an, er solle sich auf den Weg zu uns machen. Bis die letzten Papiere wirklich fertiggestellt sind, vergeht wieder eine Weile. Der Chauffeur ist noch immer nicht unterwegs als wir die Papiere fertig haben.

 

Willy telefoniert mit ihm und findet heraus, dass er zu spät losgefahren ist und nun nicht mehr in die Innenstadt fahren kann. Es ist nämlich nur bis 14.00 Uhr erlaubt, in die Stadt zu fahren. Wir sind unterdessen mit Willy beim Hafen im Zoll- und Polizeibüro. Da auch diese nicht ändern können, dass Eurico unseren Container an den Hafen bringen kann entscheiden wir, zu Eurico zu fahren um dort die Inspektion zu machen. In Afrex fährt also der Polizeibeamte mit und Willy fährt uns zusammen mit Zac in seinem eigenen Auto nach. Als wir endlich bei Eurico ankommen warten wir noch auf seinen Kollegen, der einen Kran zu unserem Standort bringt. Nun fahren wir zusammen zu einem Parkplatz, wo Afrex in den Container verladen wird. Vorher führt der Polizeibeamte aber noch die Inspektion durch – schaut genau, was wir alles noch in Afrex haben. Endlich dürfen/müssen wir uns von Afrex verabschieden. Der Container wird zuerst mit dem Kranen auf den Boden gestellt. Dann hat Lino das Vergnügen, Afrex in den passgenauen Container zu fahren. Auf allen Seiten sind nur noch wenige Zentimeter vorhanden – zum Glück haben wir hinten eine Schiebetür, wo Lino wieder aussteigen kann. Der Kranfahrer hat nicht viel Zeit und so machen wir es auf die afrikanische Tour. Erst mal den Container zurück auf den Sattelschlepper hieven, verzurren kann man dann nachher noch. Jetzt lernt Afrex fliegen! Von den gebrauchten Spanngurten die der Chauffeur organisiert hat, reisst gleich mal das erste, toll. Schliesslich ist Afrex  aber fest angebunden. Es ist ein sehr spezieller Moment, als wir die Containertüre schliessen und die beiden Siegel anbringen. Wir fahren in Willys Auto zur nächsten Bank, wo wir Geld abheben möchten, um den Lastwagenfahrer auszubezahlen. Eurico folgt uns mit dem Lastwagen. Es stellt sich aber heraus, dass Afrex sicher nicht mehr heute in den Hafen kann, da es bereits zu spät ist. So wissen wir nun nicht genau, wie lange der Container noch auf Eurico’s Lastwagen bleiben wird. Wir machen mit William ab, dass er uns eine Rechnung schreibt, wo die Kosten des Lastwagenchauffeurs und auch die Gebühren vom Zoll und der Inspektion drauf sind. Eurico gibt uns also die Dollars zurück, die wir ihm gestern als Anzahlung gegeben haben. Leider sehen das einige Militärtypen. Sie rennen zu uns und es kommen immer mehr dazu. 

 

Wir werden total von ihnen eingekreist und angeschrien. Es herrscht ein wildes Durcheinander. Zuerst haben wir keine Ahnung, um was es überhaupt  geht und wo das Problem liegt. Einige Soldaten möchten, dass wir auf ihren Militärtruck steigen. Ein anderer dreht völlig durch und verlangt dass wir den Container unverzüglich wieder öffnen. Wir erklären dass dieser soeben in Anwesenheit vom Zollbeamen versiegelt wurde. Davon will er nichts wissen und beginnt mit seiner Kalaschnikow auf die Plomben einzuschlagen um den Container gewaltsam zu  öffnen. Wahrscheinlich glaubt er dass der Container bis unter die Decke mit Dollars gefüllt ist. Doch nicht alle Militärtypen sind sich einig, was sie mit uns machen sollten. Kurz darauf trifft die Polizei ein und es hat sich schon eine ziemliche Menschenschar um uns versammelt, die natürlich neugierig ist, was jetzt mit den Weissen geschieht. Die Polizei spricht ruhiger mit uns und sagt, wir sollen auf ihren Pick-up steigen um zur Polizeistation zu fahren. Na dann, tun wir das halt – immerhin kommen wir an unserem letzten Abend in Afrika noch zum Pick-up fahren :)

Auf der Polizeistation sprechen William, Zac und Eurico auf Portugiesisch mit den Beamten und wir sitzen einfach still daneben. Immerhin sind hier nicht mehr so viele Beamte und sie sprechen ganz ruhig miteinander - die Stimmung hier ist also viel angenehmer als vorhin auf der Strasse. Nun informiert uns aber William, dass wir noch auf das Hauptrevier mitgehen müssen. Wieder steigen wir auf einen Pick-up und fahren zum Revier. Auch dort fragt uns kaum jemand etwas, sodass wir noch immer nicht sicher sind – was das Problem überhaupt war. Jemand erklärt uns dann, dass es nicht erlaubt sei, Dollars auf offener Strasse zu tauschen. Wir versuchen zu erklären, dass es nur 100 Dollar Anzahlung waren, welche uns Eurico wieder zurück bezahlt hat. Doch so richtig interessiert sich niemand für unsere Erklärungen. Auch stellen sie in Frage, ob wir wegen dem Lockdown überhaupt eine Erlaubnis hatten, auf der Strasse rumzufahren. Wir erklären, dass wir ein polizeiliches Schreiben haben, da wir auf unserer Heimreise sind. Dumm nur, dass sich dieses Schreiben jetzt in Afrex im versiegelten Container befindet. Nun sitzen wir also zwischen Kleinkriminellen in Handschellen, Tagedieben und verlausten, verdreckten Habenichtsen auf der Anklagebank und warten wie  es weitergeht. Mit den Verhafteten wird nicht zimperlich umgegangen, es wird geschrien, schikaniert und getreten.  Es ist unser allerletzter Abend in Afrika und wir verbringen ihn im Vorzimmer vom Gefängnis. Wir wissen nicht ob wir lachen oder heulen sollen.  Nach etwa vier Stunden in Gewahrsam dürfen wir endlich gehen, da sich niemand mehr für uns interessiert. Da wir ja jetzt kein Auto mehr haben und es bereits nach zehn Uhr ist, fährt uns William zur WG. Er bietet auch an, uns am nächsten Morgen abzuholen und zum Flughafen zu fahren. Das ist ein nettes Angebot, welches wir gerne annehmen. Bei der WG angekommen hat Johnny schon lange für uns gekocht, das Essen ist zwar schon kalt aber sehr lecker. Wir freuen uns, dass wir nach diesem anstrengenden Tag nicht auch noch kochen müssen. Hundemüde fallen wir ins Bett und wissen jetzt definitiv – Afrika ist immer für ein Abenteuer zu haben :)

 

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